Interview März 2018

Dennis Siemion

Hallo Dennis! Wer im Ruhrgebiet dem rohen und acid-lastigen Techno fröhnen will kommt an dir, einem DJ-Urgestein in der Szene, nicht vorbei. Für alle die dich noch nicht kennen, stell dich doch kurz mal vor.

Ich bin vor langer Zeit im Herzen des Ruhrgebiet zur Welt gekommen. Früh entdeckten meine Eltern meine Liebe zur Musik und schleppten mich zum Gitarrenunterricht. Schon damals war mir klar: Musik muss einfach, schlicht und eingängig sein. Die Sehnsucht nach dem Elektronischen war geboren.

Seit über 15 Jahren bist du als DJ professionell unterwegs. Kannst du dich noch an deinen ersten Gig erinnern?

Na klar, das war im Cafe du Congo in Bochum! Mit einer Mischung aus Funk und US House Musik.

Man liest, dass du zu deiner Anfangszeit vornehmlich Funk aufgelegt hast, was ich sehr sympatisch finde! Wann war für dich der Moment, an dem du Techno für dich persönlich erschlossen, und dich dieser Bewegung zugehörig gefühlt hast?

Das passierte 1991 im Model Traumwelt in Essen, der damals mein Resident Club war. Dort fand eine Party von einem Frankfurter Veranstalter mit DJ Dag und Sven Väth statt. Mich zog dann ein Freund namens Mario de Bellis auf die kreisrunde, sich drehende Tanzfläche: Ab da war es um mich geschehen und der Techno hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Du hast bereits zahlreiche, namenhafte Veranstaltung in diversen Clubs ins Leben gerufen, bei denen du auch unter deinem Alter Ego DJ Pumphead in Erscheinung getreten bist. Welche ist dir dabei besonders im Kopf hängen geblieben?

Der Phuture Club ist das was für immer tief in meinem Herzen verankert sein wird. Gerade die Zeit im Essener Baikonur, in der wir nach der Zeit in Duisburg mit dem Phuture Club Unterschlupf gefunden haben, ist meine ganz persönliche Legende. Ich denke immer noch gerne daran zurück.

Auch in Münster bespielst du unter anderem die erfolgreiche Party-Reihe „Pink Pony“. Was macht für dich die Szene, hier in Münster, so besonders?

Dass es so viele unterschiedliche Szenen und Clubs in einer Stadt gibt. Da muss man im Ruhrgebiet schon große Wege auf sich nehmen um das geboten zu bekommen. Das Münster weltoffen ist, hat für mich vor allem die letzte Bundestagwahl eindeutig bewiesen. Münster ist einfach besonders.

Was war der schrägste oder lustigste Moment auf einer Party, den du als DJ miterleben durftest?

Da gibt es so vieles, aber beim Gig an Silvester von 1999 auf 2000 im Tresor in Berlin hat mein Nachfolge DJ verschlafen. Habe da fünf Stunden gespielt. Irgendwann musste ich immer dringender auf Toilette. Da ich mit Vinyl gezockt habe und es keine Loop-Funktion am Plattenspieler gibt, musste ich mir von der Theke eine Flasche geben lassen. Der klischeehafte Klassiker, ich weiß, aber ich musste meine Notdurft in die Flasche verrichten. Sexy ist anders, zugegeben. Aber so konnte ich weiter spielen.

Als Musikproduzent hast du bereits zahlreiche Techno-Produktionen veröffentlicht. Wie bist du zum Produzieren eigener Tracks gekommen und inwiefern hat sich deine Arbeitsweise bis heute verändert?

Wenn man eine gewisse Zeit als Techno DJ unterwegs ist, kommt es wohl automatisch zu dem Bedürfnis sich in eigenen Produktionen auszudrücken. Früher war alles anlog und man brauchte sehr viel Equipment um gute Ergebnisse zu erzielen. Das war nicht billig und ein langer Lernprozess war nötig, um ein akzeptables Ergebnis zu erreichen. Heute kann man mit weniger sogar bessere Ergebnisse erzielen. Da hat die Technik schon unglaubliche Möglichkeiten eröffnet.

Mit welchem Equipment produzierst du deine Tracks und was möchtest du noch gerne in deinem Studio implementieren?

Ich arbeite hauptsächlich mit Cubase und dem Arturia Synth Bundle. Um klanglich alles zu bearbeiten kann man sehr hochwertige Plugins im Abo mieten. Raven Studio wäre ganz nett, dann macht das Abmischen mal wieder Spaß!

Woher kennst du den Elevator und was verbindest du damit?

Bobby und der Cosmic Club sind mein erster Gedanke. Der Cosmic Cub war für Münster im Bereich Techno der prägende Club in den 90ern. Dann noch erschwingliches DJ Equipment mit guter Qualität, was den Einstieg für Nachwuchs DJs erst ermöglicht hat.

Danke für das tolle Interview. Das Elevator Team wünscht dir für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!

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