Interview Juni 2017

Felidae

Hallo Felidae! Wer im Club steht und bei deinem Sound nicht ausdauernd die Beine schwingt, der hat entweder keine, oder eine gehörige Portion Geschmacksmangel. Für alle die dich nicht kennen, stell dich doch kurz einmal vor!

Hey ihr Lieben ich bin Feli, 28 und gebürtige Berlinerin. Elektronische Musik war damals schon ein wichtiger Bestandteil für mich und Musik im Club zu hören, reichte dann irgendwann nicht mehr aus. So begann ich 2005 mit dem Auflegen. Damals wohnte ich auch noch im Haus meiner Eltern. Die ersten Numarks habe ich mir zum Geburtstag gewünscht und nun bewege ich mich seit etwas mehr als 10 Jahren selber als DJ in der Techno Szene hier in Berlin. Meine Teenagerzeit verbrachte ich nach der Schule oft bei DNS Records, einem Berliner Plattenladen. Oft war ich auch im „Freizeitglauben“ im Friedrichshainer Kiez, wo ich auch mein allererste Scheibe, „Märtini Brös - The Biggest Fan“, gekauft habe. Ich habe mich damals mehr für Electro interessiert, auch viel Northern Lite und Neo Pop gehört. Ich glaube das spiegelt sich heute auch in meiner Track-Auswahl wieder. Ich mag es lieber mechanisch und elektronisch statt organisch.

Als Frau in einer männerdominierten DJ-Welt erlebt man sicherlich so einiges. Erzähl uns mal von den prägensten Momenten deiner bisherigen Karriere!

Wenn ich ehrlich bin habe ich mir über dieses Thema noch nie wirklich Gedanken gemacht. Als ich mit dem Musik machen anfing waren es auf jeden Fall noch nicht so viele Mädels wie zur heutigen Zeit, das stimmt schon, aber mittlerweile gibt es so viele gute Musiker und Künstler beiden Geschlechts, dass ich das Thema eigentlich nicht der Rede- oder des Auswertens wert finde. Ich habe auch meine Erfahrungen gemacht und Situationen erlebt in denen ich von oben herab belächelt wurde, aber da steh ich eigentlich größtenteils drüber. Viel spannender und interessanter finde ich es eher, wenn man sich zusammen auf Studioarbeiten einlässt und ein gemeinsames Projekt zusammen beginnt. Es spielt nämlich keine Rolle ob männlich oder weiblich, wenn Potenzial dahinter steckt, dann kann man etwas gutes, gemeinsames schaffen, alles andere ist Energieverschwendung.

Du hast gerade frisch dein neues Werk „CAMELS“ über das Label Stoltera released, dazu erstmal herzlichen Glückwunsch! Was war bei dir denn zuerst da, der Drang zum Auflegen, oder der Wunsch selbst mal in die Tasten zu hauen und warum?

Ganz lieben Dank erst mal. Definitiv das Auflegen, die Lust zu produzieren kam erst viel später! Mir war es erstmal wichtig das eine Handwerk zu verstehen, bevor ich mich in die nächste Sache hineinstürze, mir macht aber beides gleich viel Spaß. Wenn ich mal keine Motivation zum Auflegen habe, oder Tracks selektiere und neue Sachen anhöre, dann sitze ich verdammt gerne im Studio und probiere mich an neuen Skills oder diversen Plug-ins aus. Ich habe sehr viel Unterricht bekommen, von Freunden die mir einen Einblick in Ableton und das Produzieren verschafft haben. Wichtig ist für mich aber immer noch der Spaß daran, egal wie viel man versteht oder auch nicht. Wenn ich keinen Spaß mehr am Produzieren habe, dann muss ich unbedingt eine Pause einlegen weil es mich sonst auch nicht mehr glücklich macht. Die Zeit im Studio ist aber ziemlich wichtig und auch wertvoll. Ich schaue auch gerne bei anderen Musikern aus Neugierde über die Schulter, weil man immer noch etwas dazu lernen kann.

Du hast eine amtliche Bookingliste, Hut ab! Wie kann man sich denn eine Party mit Felidae vorstellen?

Ja, so viele tolle Gigs und ich bin so dankbar über jeden einzelnen! Ich freue mich auch jedes mal über jedes Booking. Die meisten, die Musik machen oder sich in der Szene bewegen, wissen was das für ein Knüppeljob ist und welche Anstrengungen vieles davon eigentlich verursacht, aber ich liebe meine Arbeit und würde auch niemals tauschen wollen. Eine Party mit mir? Das ist schon eine witzige Frage! Ich muss ehrlich gesagt auch grade etwas schmunzeln. Oftmals bin ich vorher so aufgeregt, dass ich sterben könnte, aber wenn der erste Übergang sitzt versuch ich mich fallen zu lassen und muss durchgehend lächeln vor Freude. So ein Abend im Club fühlt sich auch jedes mal dynamisch und voller Euphorie an. Ich versuche eigentlich sehr authentisch zu sein, so wie ich eben bin. Meine Lieblingsclubs hier in Berlin sind definitiv der Suicide Circus und auch im Kosmonaut spiele ich unheimlich gerne, ansonsten bin ich eher außerhalb von Berlin unterwegs. Meine Residency halte ich seit Jahren in Italien bei der Hersound Reihe und auch der Gig im Cafe del Mar auf Malta letztes Jahr war unbeschreiblich schön! Nun geht’s fast jedes Weekend woanders hin und jeder Gig bleibt spannend. Meinen Fokus lege ich auf rollende Basslines und trippige Atmospähre. Auch Musik die sich spooky und etwas deep anfühlt wird ins Case gepackt. Wichtig ist mir aber das Feedback der Crowd, wenn ich merke wie viel Energie und positive Vibes sich auf dem Dancefloor sammeln dann macht es mir umso mehr Spaß zu spielen und eins mit allen zu sein. Die Atmosphäre auf der Tanzfläche bedeutet mir unheimlich viel.

Du bist viel in der Berliner Clubscene unterwegs. Es gibt ja gerade in so einer Szenestadt sicherlich eine Menge DJs und DJanes, wodurch es für den einzelnen nicht ganz einfach wird. Braucht man Ellenbogen um dort als DJ bestehen zu können? Wie gehst du damit um?

Nein, als Ellenbogentaktik würde ich es nicht bezeichnen, aber sicherlich braucht man Scheuklappen um sich abzugrenzen. Wenn alle gleich wären dann wäre Musik auch nicht mehr interessant. Ich versuche mich schon abzuheben und individuell zu sein, auch im Club und auf den Partys auf denen ich gebucht bin, den Sound zu spielen den ich liebe und anders zu sein als die anderen. Dies tue ich aber nicht mit aller Gewalt, man lernt nie aus und ich schau mir auch sehr gerne an wie die großen Acts und Künstler ihren Abend gestalten und wie sie sich hinterm Pult bewegen. Da bin ich neugierig. Man kann sich schon von dem einen oder anderen noch was abgucken, das finde ich auch nicht schlimm. Das schöne am Musik machen ist, dass man niemals weiß wohin die Reise geht und auch niemals vergessen sollte wo man herkommt. Sich immer wieder zu erden ist das Wichtigste.

Oft hat man zu der ein oder anderen Produktion/Party eine lustige oder interessante Geschichte zu erzählen. Erzähl uns deine Lieblingsanekdoten!

Also mein erster Gig in Prag war schon ziemlich schräg, aber im Nachhinein auch verdammt amüsant. Mir hat der Party-Fotograf mit vollem Strahle auf den Arm gekotzt und anhand seiner Bilder konnte man später auch erkennen in welchem Zustand er war. Ja, das war schon ziemlich eklig und ich fand es in dem Moment auch so widerlich, dass ich selber erst mal einen Schnaps trinken musste. Auf dem Heimweg hatten wir aber alle so einen sitzen, dass wir uns köstlich darüber amüsiert haben. War nicht schön, aber selten!

Testest du deine Produktionen auch auf Partys? Wie beeinflusst das Auflegen der Musik deine Herangehensweise an die Produktion von Tracks?

Es ist ein spannendes Gefühl, denn man weiß nie ob es gut ankommt, wie die Tanzfläche reagiert und in welche Stimmungsrichtung es danach weitergeht. Auf jeden Fall baue ich sie in meine Mixe mit ein, ganz heimlich natürlich. Ich freue mich auch total über meine Releases und über das was ich bis jetzt produziert habe. Es ist noch kein Produzent vom Himmel gefallen und auch meine Tracks und Projekte sind alle noch ausbaufähig. Ich finde den Spannungsbogen in einem Track sehr wichtig und auch der richtige Drop ist ausschlaggebend, so etwas zu bauen, mit guter Atmosphäre, die sich kurz bevor der Beat kickt etwas runter filtert, ist schon eine Kunst. Frische Claps fixen mich am meisten an, wenn es „schmatzi“ klingt dann ist es richtig, offen und hell. Auch eine zweite zischige Hi-Hat ist wichtig für mich, da diese noch mal einen komplett neuen Drive ankurbelt. Ich denke jeder Musiker hat so sein bestimmtes Element, auf das er viel Wert legt. Ich stehe auf Rides und Claps und natürlich Basslines, schöne brummige Basslines. Meine Stimme benutze ich auch öfter, sample sie und baue sie dann als Toolloop oder Percvoice ein. Es macht mir viel Freude, weil ich auch verdammt gerne singe.

Hardware ist ein großes Thema bei DJs und Producern. Was steht bei dir im Schrank und worauf schwörst du? Spielen wir mal das alte „Wenn Geld keine Rolle spielen würde“-Spiel! Was wär dein Traumsetup?

Da ich erst seit drei Jahren ernsthaft produziere und mich bis jetzt nur mit Ableton und diversen Plug-ins beschäftigt habe, hab ich noch gar keine richtige Vorstellung von meinem Traumsetup. Die Camels EP ist auch komplett nur mit Ableton enstanden, dafür habe ich mit Diva, Subboombass und etwas mit Sylenth gearbeitet. Mein kleines Studio zu Hause besteht auch nur aus PC, Mischpult, den Plattenspielern und CDJs zum Auflegen. Auf jeden Fall hätte ich gerne eine kleine Gesangskammer und ein gutes Studiomikrofon um Vocals aufzunehmen.

Woher kennst du den Elevator und was verbindest du damit?

Der Elevator ist für mich der heilige Katalog, damals wie heute. Auf dem Weg zur Berufsschule vor mehr als 10 Jahren hab ich oft mit Kugelschreiber oder bunten Stiften die Plattenspieler und Mixer angekreuzt die ich gerne mal haben möchte, aber mir damals eh nie vom Ausbildungsgehalt leisten konnte. Wenn dann auch noch der Unterrichtsstoff in der Schule zu lame war, wurden kleine Bilder ausgeschnitten und daraus Collagen angefertigt. Ich bin etwas sprachlos, dass ihr mich ausgewählt habt für den Artist of the Month, weil der Katalog jedes Jahr aufs neue in meiner Tasche gelandet ist und mich somit viele Jahre auf meinem musikalischen Werdegang begleitet hat. Ganz lieben Dank an euch für euren Support und die vielen tollen Ausgaben, weiter so!
Und ich würde gerne noch meine Mama grüßen und Ihr von Herzen danke sagen, weil sie einfach immer für mich da ist und hinter mir steht, mir auch auch mal ihre Meinung dazu sagt und mich musikalisch in jeder Situation unterstützt. Ich bin sehr stolz auf meine Mama, beim nächsten Italien Gig fliegen wir definitiv zusammen!

Danke für das schöne Interview und viel Erfolg wünscht dir dein Elevator Team!

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