Interview Januar 2016

Script

Hallo Alexej! Deine Podcastserie “Vocalless”, die du unter deinem Künstlernamen Script veröffentlichst, hat uns sowohl fasziniert, als auch inspiriert. Erzähl uns doch einmal, wie du zur Musik, und vor allem zum Techno gekommen bist!

Hallo Elevator! Die erste Musik in meinem Leben war klassische Musik, die mir schon in meinen ersten Kindheitstagen vorgespielt wurde. Über meine Kindheit und Jugend, bis jetzt, hat mich die Musik mein gesamtes Leben lang begleitet. 2009, im Alter von 14 Jahren, fing das dann mit elektronischer Musik an.
Mir wurde Dubstep vorgespielt und ich war sofort davon begeistert. Das, in Kombination mit Drum'n'Bass, war Jahrelang genau mein Genre, bis ich dann 2013 über Psytrance, Techno entdeckt habe. Und das war dann auch die Zeit, in der ich angefangen habe mich mit Musik näher zu beschäftigen, sie auseinander zu nehmen, zu verstehen und selbst zu Mixen. Angefangen hat das dann mit poppigerem Techno, bis die Entwicklung mich in's Deepe und Sphärische gerissen hat.

Du hast in deinem Podcast eine besondere Herangehensweise, was die Auswahl deiner Setlist angeht. Du lenkst die Aufmerksamkeit auf den musikalischen “Mindtrip”. Was kann man sich darunter vorstellen und in wie fern beeinflusst es das Hörerlebnis?

Ich möchte mit meiner Musik eine Atmosphäre schaffen. Eine Atmosphäre, bei der sich jeder Zuhörer seine eigene Geschichte erdenken kann, frei von allen Einflüssen und Einschränkungen. Alle Klänge sollen undefiniert sein, sodass der Mindtrip in keine bestimmte Richtung gelenkt bzw. beeinflusst wird. So kann man das Set beispielsweise 10 Personen hören lassen und jeder wird dir anschließend eine andere Geschichte zu dem Set erzählen. Grenzenlose Freiheit für jeden, jeder Weg kann, muss aber nicht. Alle Wege müssen offen bleiben, der Zuhörer kann selbst wählen. Das ist meine Kunst.
Ich unterscheide zwischen Liedern, in denen der Sänger dir eine Geschichte erzählen möchte und meiner Musik, in der ich den Zuhörer seine eigene Geschichte kreieren lasse. Manche hören gerne Lieder, Geschichten anderer, allerdings wird es wahrscheinlich immer Punkte geben, mit denen du dich nicht vollständig identifizieren kannst. Ich möchte, dass sich theoretisch jeder mit meiner Musik identifizieren kann. Aus diesem Grund versuche ich sie neutral, fernab von Assoziationen zu gestalten.
Daher rührt auch der "Vocalless Podcast". Ich möchte eine Plattform schaffen, auf der Künstler das Ziel haben, eine Art Mindtrip zu schaffen. Vocals sind so definiert und präzise und sagen immer etwas aus, das beeinflusst den Trip. Definierte Klänge wie Vogelzwitschern oder fließendes Wasser ebenfalls, die Klänge die ich nutze bzw. die genutzt werden können sollen frei von jeglicher bestimmten Assoziation sein.

Du bist mit deinem Sound schon in den USA unterwegs gewesen. Wie kam es dazu, was war das für eine Erfahrung und wie war die Resonanz?

Witzige Geschichte! 10% meiner Zuhörer liegen in den USA, jemand hat mich über die Plattform Soundcloud entdeckt, war von meinem Sound begeistert und hat mich als "Freundin von Thomas P. Heckmann" einem Veranstalter vorgestellt, dessen Lieblingskünstler eben Heckmann ist. Dieser hat dann bei mir rein gehört und stellte schnell fest, dass ich gar nicht die Freundin von Heckmann bin, doch der Sound hat auch ihn beeindruckt. Und da war das Booking. Ob er nun wirklich dachte, ich sei die Freundin von Heckmann oder dies nur ein Trick war um mich zu buchen, ist unklar.
Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung! Man spürt, wie sich die musikalische Entwicklung gespalten hat, denn der Sound dort ist noch lange nicht so weit, wie er hier ist. In den Staaten liegt der Fokus eher auf House. Dazu muss ich einmal Jeff Mills zitieren:

"Detroit war der Ort in den USA, wo Mitte der 80er Techno entstand. Wenn sich die Amerikaner also unsere Clubmusik gewünscht hätten, wäre das auch so passiert. Aber niemand hat hingehört. Die USA sind rückständig. Und werden immer rückständiger. Aber warum sollte ich mich daran stören? Nicht so lange es Menschen an anderen Orten der Welt gibt, die meine Sachen gut finden."

Doch der Techno kommt langsam zurück und die Amerikaner entwickeln immer mehr Interesse an dieser Musik. Und die Deutschen möchten etwas zurück geben, sich dafür bedanken, daher plant der Berliner Tresor Club auch eine Club-Eröffnung in Detroit. Diesen modernen, deepen, Berliner Techno kennen die dort drüben kaum und sind sehr offen und interessiert daran. Sie sind fasziniert von der Techno-Entwicklung. Es gibt noch lange nicht so viele Zuhörer wie in Europa, doch dies entwickelt sich langsam zum Besseren.
Ich war in Minneapolis, dort ist die Techno Kultur etwas fortgeschrittener, da dies die Heimat von DVS1 und Dustin Zahn ist. DVS1 hat dort auch seinen eigenen Club. In den Großstädten ist die Technokultur selbstverständlich auch weiter entwickelt, in den restlichen Bereichen allerdings weniger.

Deine eigenen Produktionen lassen sich nahtlos in deine Sets einbinden und transportieren exakt das, was du bei deinem Konzept verfolgst, wie bei deinem Track “Illusions”. Woher kommt das Knowhow, mit dem du solche Tracks konzipierst? Ist es nicht unvermeidlich, dass der eigene Mindtrip, den man während der Produktion durchlebt, in die Produktion mit einfließt?

Das Knowhow habe ich mir angeeignet indem ich viele Tracks analysiert und auseinander genommen habe und diese Elemente versucht habe nachzubauen. Diese Elemente nutze ich dann in Verbindung mit meinem Musik-Konzept und erschaffe Eigenes. Natürlich hat man einen eigenen Mindtrip und dieser kann sich auch in den Produktionen/Sets wiederspiegeln, doch ich versuche die Klänge undefiniert zu halten. So mag ich mir bei einem Whitenoise-Soundscape evtl. Regen oder ein Meer während der Produktion vorgestellt haben, ein Anderer wird sich jedoch Windrauschen dazu vorstellen können. Der eigene Mindtrip kann hineinfließen, der Klang wird dennoch seine Freiheit zur Interpretation haben.

Oft hat man zu der ein oder anderen Produktion/Party eine lustige oder interessante Geschichte zu erzählen. Erzähl uns deine Lieblingsanekdote!

Da fällt mir eine kleine Geschichte zu ein. Es war zu der Zeit, als ich noch poppigeren und etwas kommerzielleren Techno gespielt habe. Da traf der jeweils nachfolgende DJ erst gegen Ende des Sets des vorherigen ein. Ich hatte als erstes gespielt. Und da der DJ, der nach mir gespielt hat, mein Set nicht gehört hat, spielte dieser 6-7 Tracks, die ich in meinem Set ebenfalls gespielt habe. So glich 1/4 des Sets meinem Set. Und der darauf folgende DJ, der ebenfalls erst gegen Ende des vorherigen DJ Sets eintraf, spielte ebenfalls nochmal 3 dieser Tracks die wir beide zuvor, ebenfalls gespielt hatten.

Hardware ist womöglich das Lieblingsthema eines jeden Produzenten! Auf was schwörst du bei deinen Produktionen und wieso?

Ja, Hardware ist ein sehr schönes und interessantes Thema. Bisher habe ich viel mit Ableton und DAW Controllern gearbeitet, bis ich angefangen habe, mich für Hardware Klangerzeuger zu interessieren und die Korg EMX-1 von einem Kollegen geliehen habe. Etwas in der Hand zu halten, dass diesen Klang erzeugt, die jeweiligen Parameter verändern und hören, was geschieht, so gesehen etwas von Grund auf erschaffen, das ist ein Erlebnis, welches in einer DAW nur schwierig gegeben ist. Es gibt zwar DAW Controller, doch das ist ein ganz anderes Gefühl als an einem echten Klangerzeuger zu arbeiten.
Jedes Gerät hat seinen eigenen Charakter, daher kann man schwierig sagen, dass man auf etwas bestimmtes schwört, denn jedes dieser Geräte verdient sein besonderes Ansehen. Ich persönlich habe zudem noch kaum eigene Erfahrung sammeln können, um behaupten zu können, dass ein bestimmtes Gerät besondere Anerkennung verdient. Mich faszinieren zur Zeit die Elektron Geräte, der Analog Rytm und der Analog Four. Eine Drummachine und ein Synthesizer harmonieren mit einem meiner Meinung nach grandiosem internen Sequenzer, der einen Workflow bietet und als Analog-Digital Hybrid bietet dieser Klangmöglichkeiten, von denen man nur träumen kann. Diese werden in naher Zukunft ebenfalls Platz in meiner kleinen Musik-Ecke finden, sodass ich dann endlich selbst an diesen Geräten Hand anlegen kann.

Du bist, soweit ich das herausfinden konnte, ein sehr aktiver DJ und auf vielen Partys und Events hinter den Decks zu finden. Gibt es eine bestimmte Partyreihe, ein bestimmtes Event und/oder einen bestimmten Club, den du besonders feierst? Wenn ja, welcher ist das, und wieso?

Früher war ich als DJ regelmäßig auf der MS-Treue in Bremen zu hören, doch als meine Entwicklung voran schriet, trennten sich die Geschmäcker. Zurzeit bin ich an keinem festen Ort zu hören, mal hier, mal da, was sich gerade eben ergibt.
Ich habe noch lange nicht alles gesehen. Einen bestimmten Club, den ich besonders feier, habe ich schon. Doch diesen würde ich gerne als kleines Geheimnis behalten. Dieser Ort bietet eine raue Atmosphäre, wie sie sich für Techno gehört, die Veranstaltungen bieten genau den Sound, den ich liebe und das Publikum ist ebenfalls angenehm. Die Atmosphäre, die Techno braucht, ist dort einfach gegeben.

Woher kennst du den Elevator und was verbindest du damit?

Elevator? Kennt man als Musiker einfach.

Danke für das schöne Interview und viel Erfolg wünscht dir dein Elevator Team!

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