Katalog 2018: Interview mit Monika Kruse

Monika Kruse Interview - Katalog 2018

Elevator: Monika Kruse. Du bist unumstritten ein Powerhouse der elektronischen Musikszene und im Laufe deiner Karriere sind neben der Berufsbezeichnung DJ noch Produzentin und Label-Chefin hinzugekommen. Wenn du eine Reihenfolge für deine Jobs festlegen würdest, wie würde diese aussehen?

Monika: Nur gemessen an der Zeit, bin ich hauptsächlich DJ. Danach kommt das Label und an letzter Stelle das Produzieren. Gerade beim Produzieren muss ich in einem bestimmten Modus sein. Zwischen Tür und Angel oder im Flieger, wie es manche Leute machen, möchte ich das nicht. Ich brauche meine Ruhe dafür. Vor dem letzten Projekt mit Pig&Dan habe ich z.B. wahnsinnig viel meditiert. Ich glaube deswegen ist die EP auch so euphorisch und melodiös geworden. Das ist dann eher so mein State of Mind wenn ich ins Studio gehe.

Elevator: In deinem Wikipedia Eintrag steht geschrieben, dass du mit sieben Jahren zunächst begonnen hast Klavierunterricht zu nehmen. Hast du es irgendwann aufgegeben oder spielst du bis heute Klavier?

Monika: Tatsächlich war ich vier Jahre alt. Da kamen meine kleinen Fingerchen geradeso an die Tasten ran. (lacht) Natürlich war ich als kleines Kind jetzt nicht unbedingt begeistert, dass ich Klavier spielen sollte. Meine Eltern wollten aber gerne, dass ich ein Instrument lerne. Mit den Jahren habe ich das auch sehr zu schätzen gelernt. Ich habe von meinem Großvater einen Flügel geerbt und Emotionen über dieses Instrument transportieren zu können, ist ein tolles Gefühl. Das fasziniert mich auch so am Produzieren. Man kreiert etwas in dem Augenblick und erschafft einen Moment für die Ewigkeit. Das macht es noch persönlicher als deine oder fremde Tracks aufzulegen.

Elevator: Gibt es am Klavier besondere Stücke oder Komponisten die dich inspirieren?

Monika: Ja. Chopin, Beethoven und Bach sind wirklich meine Lieblinge. Ich höre auch gerne Klassik. Früher, als ich noch ein Auto besaß, lief zwischendurch immer mal ein Klassik Kanal. Das bringt einen so schön runter beim Autofahren.(lacht)

Elevator: Das ist eine interessante Kontroverse zu dem was du sonst machst. Ich stelle mir gerade ein Monika Kruse Klassik Konzert vor.

Monika: Ach Gottchen, bitte nicht. (lacht) Ich habe es gehasst jemandem etwas vorzuspielen. Nur mein Klavierlehrer und zwangsläufig meine Eltern mussten sich das anhören. Nein, das wäre nichts für mich. Ich habe große Angst vor Publikum. (Beide lachen)

Elevator: Dir ist bewusst, dass das gerade sehr komisch klingt?

Monika: Ja, das glaubt einem immer niemand. Ich bin aber wirklich ein unkommunikatives Nervenbündel vor gewissen Auftritten. Ich kann gerne nach meinem Set reden, aber vorher bin ich einfach aufgeregt und habe mein Ritual. Wann immer ich spiele, versuche ich die Leute und die Stimmung im Club zu spüren. Wenn ich die ganze Zeit rede, nehme ich das nicht so wahr. (lacht)

Elevator: Stell dir vor, diese Aufregung wäre von heute auf morgen weg und du wärst die Ruhe in Person vor deinen Auftritten. Was macht das mit dir?

Monika: Ich war in der Tat bereits soweit, dass ich meine Aufregung händeln konnte. Dann habe ich recht schnell festgestellt, dass mir etwas fehlt. (lacht) Durch diese Anspannung hat man mehr Adrenalin und das pusht einen ungemein beim Auflegen. Ich habe das Gefühl, dass die Nervosität mich auch besser vorbereitet. Diese „Es wird schon alles gut gehen“-Einstellung, das bin nicht ich. Die Aufregung gehört zu mir.

Elevator: Wenn wir Herbert Grönemeyers Textzeile „Stillstand ist der Tod" für bare Münze nehmen, wie gelingt dir der Spagat zwischen „sich treu bleiben" und einer konstanten Weiterentwicklung?

Monika: Ich sehe da keinen Widerspruch. Man kann sich ja durchaus treu bleiben und trotzdem weiterentwickeln. Es ist eher die Frage, ob es von deiner Audience akzeptiert wird. Ich habe auch mehrere Sprünge in meinen Stilen gemacht aber für mich war es immer wichtig, mich hinter dem DJ-Pult nicht zu langweilen. Wenn ich mich langweile, langweile ich auch mein Publikum. Es geht ja immer um einen Energieaustausch auf Partys und wenn der DJ seinen Spaß hat, springt der Funke auch meistens über. Ich finde es wichtig mal was neues auszuprobieren. Solche Leute wie Carl Cox oder Sven Väth sind für mich die besten Beispiele, dass man die verschiedenen Stile miteinander verbinden kann und die Leute sind begeistert. Es ist unheimlich spannend, wenn man als Zuhörer, oder auch als DJ, auf eine Reise geschickt wird. In meinen Augen ist ein guter DJ abwechslungsreich.

Elevator: Fernab von dir, der Musik oder der Szene, hat die Technik sich natürlich auch weiterentwickelt. Für welche technischen Errungenschaften bist du besonders dankbar, und auf welche könntest du gänzlich verzichten?

Monika: Ich bin sehr dankbar, dass der Klang immer besser wird. Über das Monitoring bis hin zur gesamten Anlage, der Sound ist jetzt ein ganz anderer als damals. Die Mixer sind viel hochwertiger und das finde ich großartig.

Ich tue mich etwas schwer mit dieser Sync-Button-Geschichte. Ich kenne DJs, die auch einen ziemlich großen Namen haben aber ohne Sync-Funktion nicht mixen könnten. Das finde ich ein bisschen verwerflich und da finde ich es schade, dass es so eine Option überhaupt gibt.

Elevator: Du vermisst also das Handwerk?!

Monika: Ja! Ich finde es gehört dazu, dass sich ein DJ auch mal vermixt. Das zeigt doch nur, dass er gerade live spielt. Es gibt nichts spannenderes als z.B. einem Jeff Mills zuzusehen, wie er mit drei Turntables und einer 909 auflegt. Ist da mal etwas nicht im Takt, schiebt er es halt nach. Aber genau das macht es so lebendig und funky. Das finde ich großartig.

Elevator: Auch die Art wie Fans mit Künstlern interagieren können hat sich gewandelt. Wie stehst du zu der heutigen Transparenz auf Facebook, Instagram, Twitter und dergleichen?

Monika: Ich bin eher so der schüchternere Typ Mensch und finde es langweilig, wenn ich jetzt jeden Schritt von mir abfotografiere. Da bin ich wahrscheinlich noch eine andere Generation. Natürlich bin ich gerne in Kontakt mit meinen Fans, aber das dann lieber auf der Tanzfläche. Ich schaue den Leuten gerne in die Augen, lächle ihnen zu oder rede mit ihnen nach dem Gig. Das ist für mich ein viel persönlicherer Austausch. Wenn ich jeden Tag ein Bild von mir, oder dem Müsli was ich esse, poste, sagt das ja irgendwie noch nichts über mich und meine Person aus. Ich finde die Interaktion mit seinen Fans live sagt über einen Künstler wesentlich mehr aus.

Elevator: Wie nimmt Social Media und Networking Einfluss auf dich als DJ, Produzentin und Label-Chefin?

Monika: Das Gute ist natürlich, dass man jetzt mit den Künstlern weltweit verbunden ist. Man kann sich eben auf Facebook eine Nachricht schreiben, sich über Releases austauschen oder die neue Platte bewerben. Das finde ich schon positiv. Ich bin aber auch nicht jeden Tag auf Facebook unterwegs, auch nicht privat. Es darf einfach nicht überhand nehmen.

Elevator: Aus der Sicht einer zwanzigjährigen Monika Kruse und den heutigen Möglichkeiten, wie würden sich deine ersten Schritte in der Szene von deinen damaligen Schritten unterscheiden?

Monika: Als ich angefangen habe aufzulegen, war es einfach nur wichtig gute Sets zu spielen. Heute ist es wichtig den besten Marketing-Plan zu haben. Die Präsenz auf den Social Media Kanälen hat soviel Gewicht bekommen, dass manche DJs das Logo zu ihrem Namen schon stehen haben bevor sie überhaupt eine Platte raus gebracht, oder zum ersten Mal im Club gespielt haben. Das ist für mich sehr fragwürdig. Ich verstehe, dass es super wichtig ist, das heute alles zu bedienen, aber es wäre glaube ich nach wie vor nicht so mein Weg. Ich bin ein Bauch-Mensch. Das ist alles nichts für mich. Ich mach einfach wie ich gerade denke und bis jetzt bin ich sehr zufrieden wie es läuft.

Elevator: Wenn man mich auf „Die gute alte Zeit" anspricht, denke ich dabei an Partys im Proberaum, dreißig Kilo weniger auf den Rippen und an deutlich mehr Haupthaar. Was verbindest du mit dieser Zeit?

Monika: In erster Linie die ganzen illegalen Partys, die wir Anfang der Neunziger hatten. Das war der Wahnsinn. Auch diesen Zusammenhalt, diesen „Alles ist Möglich“-Spirit. Es war eine Aufbruch-Stimmung und etwas Revolutionäres. Wir wollten, dass Techno eben nicht den Normen der kommerziellen Musik entspricht. Dieses „Wir sind Eins“-Gefühl macht die gute alte Zeit für mich aus. Ich bin wirklich dankbar, dass ich das miterleben durfte. Andererseits bin ich auch kein Fan von der Aussage: „Früher war alles besser!“ Ich erlebe nach wie vor tolle Partys. Es gibt immer noch den Durst nach dem Gefühl, sich in der Musik fallen lassen zu können, nach Offenheit und Gemeinschaft.

Elevator: Wer war dein Vorbild, bzw. hat dich inspiriert Platten zu drehen?

Monika: Mit fünfzehn Jahren war ich auf einem Prince Konzert und Sheila E. saß am Schlagzeug. Sie hat so wahnsinnig gut gespielt, dass mir wirklich die Spucke weg blieb. Dann dachte ich: „Wow, so eine Frau in einer Männerdomäne, wo sich alle eine Scheibe von abschneiden können? Vielleicht kann ich dann auch DJ werden!“ Sie war auf jeden Fall diejenige, die mich dazu inspiriert hat.

Elevator: Was geht dir zuerst durch den Kopf wenn du an Elevator denkst?

Monika: Ihr existiert ja schon richtig lange und seid schon quasi Kult und Legende. Natürlich verbinde ich mit Elevator auch Münster, wo ich auch immer super Partys erleben darf. Im Fusion z.B. oder ganz, ganz früher im Cosmic Club. Das waren echt lustige Zeiten.

Elevator: Was können wir von Monika Kruse in 2018 erwarten?

Monika: Ich hoffe gute Partys, dann natürlich Releases und Spaß.

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